Stand: November 2026
Im Affiliate Marketing wird ein Klick erst dann zur Provision, wenn eine Kette aus sechs Übergaben hält. Der Klick läuft über einen Tracking-Link, und der Shop speichert dabei eine Klick-ID. Wird später gekauft, meldet der Shop den Kauf zusammen mit dieser ID. Dann legt ein System fest, welchem Partner der Kauf zusteht. Anschließend prüft der Händler die Bestellung, und erst danach fließt Geld. Zwischen Klick und Auszahlung vergehen bei vielen Programmen Wochen. An jeder dieser Stellen kann eine Provision verschwinden, und oft merkst du davon nichts.
Wenn du die Kette kennst, liest du deine Statistik mit anderen Augen. Sinkt deine Conversion-Rate, liegt das dann nicht automatisch an deinen Inhalten. Manchmal hat ein Browser seine Regeln geändert. Manchmal hat der Händler beim letzten Shop-Update sein Tracking beschädigt.
Vor dem ersten Klick muss die Partnerschaft stehen
Bevor überhaupt etwas gemessen wird, braucht es eine bestätigte Teilnahme am Partnerprogramm. Das klingt banal. Trotzdem stehen auf vielen gewachsenen Projekten Links, die vor der Annahme kopiert wurden oder aus einem Programm stammen, das es in dieser Form nicht mehr gibt. Wechselt ein Händler das Netzwerk, leiten die alten Links unter Umständen noch auf den Shop weiter, werden aber keinem Partner mehr zugeordnet. Der Besucher kommt an, du bekommst nichts.
Die zweite Voraussetzung wird oft unterschätzt: die SubID. Fast alle Netzwerke erlauben einen frei wählbaren Zusatzparameter im Link. Wenn du dort pro Artikel und Position eine eigene Kennung einträgst, also etwa den Vergleichstabellen-Button von einem Textlink unterscheidest, weißt du später, welche Stelle Umsatz bringt. Ohne SubID siehst du nur eine Gesamtsumme. Dann kannst du nur raten, warum sie sich verändert.
Schritt 1: Der Klick nimmt einen Umweg über den Tracking-Server
Ein klassischer Affiliate-Link zeigt nicht direkt auf den Shop. Er zeigt auf einen Server des Netzwerks. Dort wird der Klick protokolliert, also Zeitpunkt, Partnerkennung, SubID und meist die verweisende Seite. Danach leitet der Server den Besucher in Sekundenbruchteilen zum Shop weiter und hängt eine Kennung an die Zieladresse. Bei Awin heißt dieser Parameter awc, eine eindeutige Klick-Prüfsumme, die der Händler beim Eintreffen des Besuchers speichern soll. Amazon geht einen kürzeren Weg: Dort steckt deine Partner-ID als Parameter direkt im Link auf die Amazon-Seite.
Typischer Fehler an dieser Stelle: Der Parameter geht unterwegs verloren. Das passiert, wenn der Shop intern weiterleitet und dabei die Parameter abschneidet. Es passiert auch, wenn ein Plugin für Link-Maskierung falsch konfiguriert ist, oder wenn jemand beim Überarbeiten eines Artikels die Ziel-URL aus der Adresszeile des Browsers kopiert hat statt aus dem Netzwerk. Den Klick sieht das Netzwerk dann noch. Den Kauf kann es keinem Partner mehr zuordnen.
Am einfachsten prüfst du das mit einem Klick in einem privaten Browserfenster. Kommt am Ende eine Adresse mit der erwarteten Kennung an? Falls nicht, ist die Kette schon hier gerissen. Für Google kennzeichnest du solche Links übrigens mit dem Attribut rel=„sponsored“. Auf das Tracking hat das keinen Einfluss, es gehört aber zum sauberen Betrieb.
Schritt 2: Der Shop merkt sich, woher der Besucher kam
Kaum jemand kauft innerhalb von drei Minuten. Deshalb muss die Klick-ID gespeichert werden, bis der Kauf passiert. Dafür gibt es zwei Grundwege, und sie verhalten sich in den Browsern sehr unterschiedlich.
Third-Party-Cookies: in Chrome weiter erlaubt, anderswo blockiert
Der ältere Weg ist ein Cookie, den das Netzwerk auf seiner eigenen Domain setzt. Aus Sicht des Shops ist das ein Third-Party-Cookie. Lange sah es so aus, als würde Chrome diese Cookies abschaffen. Im April 2025 hat Google aber bestätigt, dass es weder eine vollständige Abschaltung noch eine neue Abfrage für Nutzer geben wird. Die bisherigen Cookie-Einstellungen in Chrome bleiben bestehen. Im Oktober 2025 hat Google dann auch die meisten Ersatztechnologien der Privacy Sandbox eingestellt und dafür eine geringe Nutzung in der Branche angegeben. Für dich heißt das: In Chrome funktionieren Third-Party-Cookies standardmäßig weiter. Safari, Firefox und Brave blockieren sie dagegen schon lange standardmäßig.
First-Party-Speicherung: robuster, aber in Safari mit Ablaufdatum
Der heute übliche Weg führt über den Shop selbst. Er liest den Parameter aus der URL und speichert ihn als First-Party-Cookie auf seiner eigenen Domain. Auch hier greift Apple ein. Die Tracking-Prävention von Safari (ITP) begrenzt die Laufzeit von Cookies, die per JavaScript gesetzt werden. Laut der WebKit-Dokumentation erkennt ITP sogenannte Link-Dekoration, also Klick-IDs in der URL. Auf der Landingpage sind per JavaScript erzeugte Cookies dann nur 24 Stunden gültig. Das gilt, wenn die verweisende Domain als Tracker eingestuft ist. Allgemein löscht Safari per Skript gesetzte Speicherdaten nach sieben Tagen ohne Interaktion mit der Website. Cookies, die der Server des Shops selbst setzt, sind von der Sieben-Tage-Grenze nicht betroffen. Läuft das Ganze aber über eine getarnte Fremddomain, begrenzt Safari auch diese Cookies auf sieben Tage.
Typischer Fehler an dieser Stelle: Du verlässt dich auf die Cookie-Laufzeit aus den Programmdetails. Dort stehen vielleicht 30 Tage. Das ist der vertragliche Rahmen. Technisch kann die Zuordnung bei Safari-Nutzern deutlich früher abbrechen, wenn der Händler die Klick-ID nur per JavaScript speichert. Eine Seite mit vielen iPhone-Lesern ist davon stärker betroffen als eine Seite, die vor allem am Windows-Rechner gelesen wird. Den Browser-Anteil deiner Besucher siehst du in deiner Webanalyse. Er gehört zu den ersten Zahlen, die du dir anschauen solltest, wenn ein Programm schwächer läuft als erwartet.
Dazu kommt die Einwilligung. Wie Affiliate-Cookies datenschutzrechtlich einzuordnen sind, wird unterschiedlich bewertet, und das musst du als Publisher nicht abschließend klären. Praktisch wichtig ist etwas anderes: Hängt der Händler sein Tracking an den Consent-Banner und lehnt der Besucher ab, fehlt unter Umständen die Grundlage für die Zuordnung.

Schritt 3: Der Kauf wird gemeldet, idealerweise auf zwei Wegen
Schließt der Besucher die Bestellung ab, muss der Shop das Netzwerk informieren. Klassisch passiert das über ein Skript oder ein Zählpixel auf der Bestellbestätigungsseite. Der Browser ruft es auf und übergibt Bestellnummer, Warenkorbwert und die gespeicherte Klick-ID. Das Problem: Werbeblocker und Tracking-Schutz können genau diesen Aufruf verhindern.
Deshalb gibt es das Server-to-Server-Tracking, kurz S2S. Dabei meldet der Server des Shops den Kauf direkt an den Server des Netzwerks, ohne dass der Browser beteiligt ist. Awin schreibt S2S-Tracking inzwischen für alle Advertiser vor. Zum vorgeschriebenen Paket gehören außerdem ein seitenweites Tag, ein Conversion-Tag und ein Fallback-Pixel. Awin selbst nennt einen Wert, der zeigt, warum das relevant ist: In einer eigenen Auswertung enthielten 12,6 Prozent der Tracking-Aufrufe im S2S-Weg ein Cookie, das im Browser-Tag fehlte. Das ist eine Zahl des Netzwerks und keine unabhängige Studie. Die Richtung ist trotzdem eindeutig.
Typischer Fehler an dieser Stelle: Er liegt beim Händler, trifft aber dich. Nach einem Shop-Update oder einem Wechsel des Zahlungsanbieters wird die Bestätigungsseite nicht mehr aufgerufen, oder die S2S-Meldung schickt keine Klick-ID mehr mit. Beheben kannst du das nicht. Du kannst aber beim Programm-Manager konkret nachfragen, ob S2S aktiv ist und wann das Tracking zuletzt getestet wurde. Mit dieser Frage wirst du deutlich ernster genommen als mit dem allgemeinen Hinweis, dass die Sales zurückgegangen sind.
Schritt 4: Die Attribution entscheidet, wem der Kauf gehört
Kauft ein Kunde, nachdem er über mehrere Partnerseiten gekommen ist, muss das System einen Gewinner bestimmen. Verbreitet ist das Last-Click-Prinzip: Der letzte Partnerklick vor dem Kauf bekommt die Provision. Was genau gilt, steht in den Programmbedingungen.

