Amazon PartnerNet: Das Konto beim Betreiberwechsel

Von WebsiteDeal.de Redaktion··9 Min. Lesezeit
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Foto: Kari Shea

Ein Amazon-PartnerNet-Konto geht beim Verkauf einer Website nicht automatisch auf den neuen Betreiber über. Wer das übersieht, verschenkt Provisionen oder gefährdet ein Konto. Hier steht, wie die Umstellung am Stichtag sauber klappt.

Stand: 1. Oktober 2026. Die Angaben beruhen auf der Teilnahmevereinbarung und den Hilfeseiten von Amazon PartnerNet zu diesem Datum.

Wenn eine Website mit Amazon-Links den Betreiber wechselt, bleibt das Amazon PartnerNet-Konto beim Verkäufer. Die Teilnahmevereinbarung erlaubt keine Abtretung ohne ausdrückliche vorherige schriftliche Zustimmung von Amazon. Der Käufer stellt deshalb alle Links auf eine eigene Partner-ID um, entweder in einem neuen oder in seinem bestehenden Konto. Der Verkäufer nimmt die Website aus seiner Website-Liste und bekommt die Vergütung, die bis zum Stichtag angefallen ist, rund 60 Tage nach Monatsende ausgezahlt. Klingt einfach. In der Praxis stecken die Probleme in den Details: vergessene Kurzlinks, Plugin-Einstellungen, API-Schlüssel und die Frage, wem die Provisionen aus dem Übergabemonat gehören.

Das Konto hängt an der Person, die Website ist austauschbar

Bei Amazon ist der Vertragspartner eine natürliche oder juristische Person, nicht eine Domain. Im Konto stecken Bankverbindung, Steuerdaten, Login und eine Partner-ID. Die Website ist darin nur ein Eintrag in einer Liste. Das erklärt, warum ein Konto nicht mit der Domain mitwandern kann: Der Käufer müsste Zugriff auf ein Konto bekommen, in dem fremde Steuer- und Bankdaten hinterlegt sind und das womöglich noch weitere Projekte des Verkäufers führt.

Zwei weitere Regeln machen den Weg eindeutig. Erstens lässt sich eine einmal vergebene Partner-ID laut Amazon nicht ändern, auch nicht durch Amazon selbst. Wer eine andere ID möchte, muss sich neu anmelden. Zweitens beschränkt Amazon die Teilnahme ohne schriftliche Zustimmung auf ein Programmkonto pro Kategorie. Stellt Amazon fest, dass jemand mehrere Konten pro Kategorie kontrolliert, kann es eines oder alle kündigen. Für Käufer, die schon ein Konto haben, ist das wichtig: Für die neue Seite legst du kein zweites Konto an, du ergänzt die Website im vorhandenen.

Eine Ausnahme ergibt sich aus der Struktur des Deals

Gehört das Konto einer GmbH und wird die gesamte Gesellschaft verkauft, also im Share Deal, bleibt der Vertragspartner formal derselbe. Das Konto wechselt dann gar nicht den Inhaber, nur die Gesellschafter wechseln. Ob Amazon in so einem Fall eine Mitteilung erwartet oder nachfragt, regelt die Vereinbarung nicht ausdrücklich. Wer so einen Deal plant, sollte das vorher klären lassen und schriftlich bei Amazon anfragen. Bei den meisten kleinen Projekten läuft es aber über einen Asset Deal, und dann gilt alles, was hier steht.

Vor der Übergabe: Finde jede Stelle, an der die alte Partner-ID steckt

Der häufigste Fehler passiert lange vor dem Stichtag. Käufer und Verkäufer gehen davon aus, dass ein Suchen-und-Ersetzen in der Datenbank reicht. Auf einer gewachsenen Seite verteilt sich die Partner-ID aber auf viel mehr Orte. Eine gründliche Bestandsaufnahme spart dir Wochen mit Provisionen, die still beim Verkäufer landen.

Typische Fundstellen sind:

  • Beitragsinhalte in der Datenbank: klassische Links mit dem Parameter tag=deineid-21 in Texten, Tabellen und Buttons.
  • Plugin-Einstellungen: Produktbox-Plugins speichern die Partner-ID oft zentral in den Optionen. Das ist der angenehme Fall, weil eine Änderung genügt.
  • Kurzlinks: Links im Format amzn.to wurden im Konto des Verkäufers erzeugt und tragen dessen ID. Ein Suchen-und-Ersetzen nach dem Tag findet sie nicht, weil der Tag im Link gar nicht sichtbar ist. Diese Links musst du einzeln neu erzeugen.
  • Hartkodierte Stellen im Theme: Sidebars, Widgets, Footer und eigene Shortcodes.
  • Kanäle außerhalb der Website: Newsletter-Vorlagen und Autoresponder, Pinterest-Pins, Beschreibungen unter Videos, Social-Media-Profile. Falls diese Kanäle mitverkauft werden, gehören sie in die Liste.
  • API-Zugang: Plugins, die Preise und Bilder automatisch abrufen, nutzen Zugangsschlüssel aus dem Konto des Verkäufers. Diese Schlüssel kann der Käufer nicht übernehmen. Für den API-Zugang gelten bei Amazon eigene Voraussetzungen. Prüfe vor dem Stichtag, ob dein Konto sie erfüllt, sonst zeigen die Produktboxen nach der Umstellung womöglich nur noch Fehlermeldungen.

Ein praktischer Trick für die Suche: Lass dir vom Verkäufer alle Tracking-IDs nennen, die für diese Seite angelegt wurden. Viele Betreiber nutzen pro Projekt oder sogar pro Seitenbereich eigene Tracking-IDs. Jede davon muss bei der Suche berücksichtigt werden.

Infografik: Sechs typische Fundstellen der alten Amazon Partner-ID auf einer Website, darunter Datenbank, Plugins, Kurzlinks, Theme, externe Kanäle und API-Zugang.
Checkliste: Wo steckt die alte Amazon Partner-ID?

Für die Prüfung vor dem Kauf: Berichtszugang statt Screenshot

Bevor es um die Umstellung geht, wollen Käufer wissen, was die Seite über Amazon tatsächlich verdient. Screenshots aus dem PartnerNet beweisen wenig. Besser ist ein direkter Blick in die Berichte. Amazon bietet im Konto drei Benutzerrollen an: vollständiger Zugang, Zugang zu Berichten und Basiszugang. Ein Verkäufer kann einem Interessenten also zeitweise Lesezugriff auf die Berichte geben, ohne Bank- oder Steuerdaten offenzulegen. Den Zugang entfernt er nach der Prüfung wieder.

Wichtig dabei: Führt der Verkäufer mehrere Projekte in einem Konto, vermischen sich die Zahlen auf Kontoebene. Aussagekräftig ist nur der Bericht, gefiltert auf die Tracking-IDs der verkauften Seite. Gibt es keine eigene Tracking-ID für das Projekt, lässt sich der Anteil der Seite am Kontoumsatz kaum sauber belegen. Für den Käufer ist das ein echtes Risiko. Für Verkäufer ist es ein guter Grund, jedem Projekt von Anfang an eine eigene Tracking-ID zu geben.

Der Stichtag: So läuft die Umstellung in der Reihenfolge, in der sie wirklich passiert

Schritt 1: Das Zielkonto vorbereiten

Hat der Käufer schon ein Konto, trägt er die neue Domain über die Kontoeinstellungen unter „Website-Liste bearbeiten“ ein und schließt die Erklärung ab. Hat er keins, legt er eins an. Bei einem neuen Konto gilt die bekannte Frist: Nach der Bewerbung bleiben 180 Tage, und sobald drei qualifizierte Verkäufe zusammengekommen sind, prüft Amazon die Bewerbung. Für eine etablierte Seite mit laufendem Amazon-Umsatz ist die Hürde der drei Verkäufe meist in wenigen Tagen genommen. Die eigentliche Prüfung bleibt aber eine Prüfung.

Der typische Fehler an dieser Stelle: Die Links werden umgestellt, bevor die Seite im Konto eingetragen ist. Amazon betont in seinen Hilfeseiten, dass die Website-Liste aktuell gehalten werden muss. Trag die Domain also ein, bevor auch nur ein Link die neue ID trägt.

Schritt 2: Die Seite auf den neuen Betreiber anpassen

Amazon prüft im Zweifel die Seite, die im Konto steht. Impressum, Datenschutzerklärung und der Hinweis auf die Partnerschaft mit Amazon sollten zum neuen Betreiber passen, bevor die Prüfung beginnt. Ein Impressum mit dem Namen des Verkäufers auf einer Seite, die mit der ID des Käufers verdient, wirft Fragen auf, die niemand braucht.

Schritt 3: Die Links umstellen

Jetzt kommt die Bestandsaufnahme zum Einsatz. Zuerst die zentralen Stellen wie Plugin-Optionen, dann die Datenbank, dann Kurzlinks und Theme, zum Schluss die externen Kanäle. Mach vor dem Suchen-und-Ersetzen ein vollständiges Backup der Datenbank. Achte bei serialisierten Daten in WordPress darauf, ein Werkzeug zu nutzen, das damit umgehen kann. Sonst zerschießt du Widget-Einstellungen, ohne es sofort zu merken.

Danach hilft eine Stichprobe: Öffne 20 bis 30 Seiten mit hohem Traffic, prüfe die Links im Quelltext und fahre einmal mit der Maus über jeden Button. Ein Crawl der gesamten Seite, gefiltert nach Links auf Amazon, findet die Reste zuverlässiger als jede Stichprobe.

Schritt 4: Den Stichtag dokumentieren

Schreib Datum und Uhrzeit der Umstellung ins Übergabeprotokoll. Amazons Cookie-Fenster ist mit 24 Stunden kurz. Das ist hier ein Vorteil: Ab dem Tag nach der Umstellung fallen beim Verkäufer praktisch keine neuen Provisionen aus dieser Seite mehr an. Der Stichtag trennt die Zahlen also recht sauber, solange keine Links vergessen wurden.

Schritt 5: Der Verkäufer räumt sein Konto auf

Der Verkäufer entfernt die verkaufte Domain aus seiner Website-Liste. Amazon sieht dafür eine eigene Funktion vor. Das schützt ihn auch selbst: Solange die Seite in seinem Konto steht, kann ihm theoretisch zugerechnet werden, was der neue Betreiber dort anstellt. Ändert der Käufer später die Ausrichtung der Seite, sollte das nicht mehr am Konto des Verkäufers hängen.

Das Konto selbst muss der Verkäufer nicht schließen, wenn er weitere Projekte darüber führt. War es das einzige Projekt, kann er es über die Kontoeinstellungen selbst schließen. Laut Amazon muss dafür das Steuerinterview abgeschlossen sein, damit die letzte Auszahlung fließt.

Schritt-für-Schritt-Diagramm zur Amazon-Konto-Umstellung am Stichtag in 5 Phasen: Zielkonto vorbereiten, Seite anpassen, Links umstellen, Stichtag dokumentieren und Konto des Verkäufers aufräumen.
Ablauf der Umstellung am Stichtag

Wem gehören die Provisionen aus dem Übergabemonat?

Amazon zahlt die Vergütung etwa 60 Tage nach dem Ende des Monats, in dem sie anfällt. Das Geld landet immer auf dem Konto, über dessen ID der Verkauf lief. Was Amazon dabei nicht kennt, ist euer Kaufvertrag. Die Aufteilung zwischen Verkäufer und Käufer müsst ihr deshalb selbst regeln.

Beispielrechnung (frei gewählte Zahlen zur Veranschaulichung): Die Übergabe ist am 15. März. Die Seite verdient im März insgesamt 900 Euro über Amazon, davon 450 Euro bis zum 14. März über die ID des Verkäufers und 450 Euro ab dem 15. März über die ID des Käufers. Die Märzvergütung zahlt Amazon Ende Mai aus, jeweils an den Kontoinhaber. Der Verkäufer erhält im Mai also noch Geld aus einer Seite, die ihm seit zehn Wochen nicht mehr gehört. Hinzu kommen die Einnahmen aus Januar und Februar, die erst Ende März und Ende April eintreffen.

Für den Kaufvertrag heißt das: Entweder stehen alle Provisionen bis zum Stichtag dem Verkäufer zu und sind im Kaufpreis eingepreist, oder ihr vereinbart eine Abrechnung. Wichtig ist, dass es schriftlich festgehalten wird. Rücksendungen können die ausgewiesene Vergütung nachträglich mindern. Wer mit festen Beträgen rechnet, sollte das berücksichtigen.

Die Übergangslösung, bei der der Verkäufer weiter kassiert und weiterleitet

Manche Käufer schlagen vor, die alten Links ein paar Monate stehen zu lassen. Der Verkäufer soll die Provisionen dann monatlich weiterleiten, bis das neue Konto steht. Das wirkt pragmatisch, ist aber aus mehreren Gründen heikel.

Der Verkäufer bleibt gegenüber Amazon verantwortlich für eine Seite, die er nicht mehr kontrolliert. Jede Änderung des Käufers an Inhalten oder Linkplatzierung kann auf sein Konto zurückfallen, und darin stecken vielleicht seine übrigen Projekte. Für den Käufer hängt das Einkommen am guten Willen und an der Zahlungsdisziplin einer Person, mit der er eigentlich fertig sein wollte. Und die Weiterleitung von Provisionen an Dritte ist eine Konstruktion, die mit der Idee eines personengebundenen Vertrags schwer zusammenpasst. Wer sie trotzdem erwägt, sollte sie juristisch prüfen lassen. Meist ist eine kurze, gut vorbereitete Umstellung am Stichtag die sauberere Lösung.

Neue Website im bestehenden Konto: Die Prüfung kann das ganze Konto treffen

Für Portfolio-Aufbauer mit einem großen Konto gibt es ein Risiko, das selten besprochen wird. Wer eine zugekaufte Seite in sein Konto aufnimmt, holt sich auch deren Vorgeschichte ins Haus. Verstößt die Seite gegen die Teilnahmebedingungen, betrifft eine Kündigung nicht die eine Seite, sondern das Konto mit allen Projekten darin. In einem Forumsbeitrag aus dem Sommer 2026 schildert ein Betreiber, dass sein Konto wegen einer einzigen eingetragenen Website geschlossen wurde. Das ist ein Einzelbericht und kein belegter Trend. Er zeigt aber, wie viel an einer einzelnen Prüfung hängen kann.

Deshalb lohnt vor dem Eintragen ein ehrlicher Blick auf die gekaufte Seite: Wie werden Preise angezeigt? Gibt es Inhalte, die Amazon in den Teilnahmevoraussetzungen ausschließt? Werden Links in Kanälen genutzt, die Amazon nicht erlaubt? Lieber eine Woche später umstellen und vorher aufräumen. Hat Amazon ein Konto wegen eines Verstoßes geschlossen, darfst du dich laut den Programmrichtlinien ohne vorherige Zustimmung von Amazon nicht erneut anmelden.

Was schiefgehen kann und woran du es merkst

ProblemWoran du es merkstGegenmaßnahme
Vergessene Kurzlinks oder hartkodierte LinksDer Verkäufer meldet nach dem Stichtag weiter Klicks und Umsätze aus der SeiteKompletten Crawl auf Amazon-Links machen, Verkäufer um Kontrolle seiner Tracking-ID-Berichte bitten
Website nicht im Zielkonto eingetragenRückfrage oder Warnung von Amazon zur Einhaltung der TeilnahmebedingungenDomain vor der Linkumstellung in die Website-Liste eintragen
Produktboxen leer oder fehlerhaftKeine Preise oder Bilder, Fehlermeldungen im PluginEigene API-Schlüssel einsetzen, Voraussetzungen für den API-Zugang vorab prüfen
Neues Konto ohne drei Verkäufe in 180 TagenBewerbung wird zurückgezogen, Partner-ID lässt sich nicht wiederherstellenUmstellung vollständig durchziehen, damit der Traffic auch tatsächlich über die neue ID läuft
Streit um Provisionen aus dem ÜbergabemonatUnklare Erwartungen nach der ersten Auszahlung rund 60 Tage späterStichtag und Aufteilung im Vertrag und im Übergabeprotokoll festhalten
Verkäufer haftet für fremde SeiteDomain steht noch Monate später in seiner Website-ListeDomain direkt nach dem Stichtag aus der Liste entfernen
Troubleshooting-Tabelle mit typischen Problemen bei der Amazon-Website-Übergabe, woran man sie erkennt und den direkten Gegenmaßnahmen.
Troubleshooting: Fehler bei der Übergabe

Steuerlich bleibt jede Partei bei ihren eigenen Einnahmen

Die Vergütung fließt dem zu, auf dessen Konto sie eingeht. Für den Verkäufer heißt das: Auch die Nachzahlungen nach dem Verkauf sind Einnahmen aus seiner bisherigen Tätigkeit. Für den Käufer beginnen die Einnahmen mit der ersten Provision über seine ID. Wie Kaufpreis, nachlaufende Provisionen und eine mögliche Abrechnung zwischen den Parteien steuerlich zu behandeln sind, hängt vom Einzelfall ab. Diese Fragen gehören zu Steuerberater oder Anwalt. Der Beitrag beschreibt nur den Stand der Plattformregeln und ersetzt keine Prüfung des Einzelfalls.

Die kürzeste Version für das Übergabeprotokoll

Halte im Protokoll fest: alle Tracking-IDs der Seite, die Fundstellen der Links, den genauen Zeitpunkt der Umstellung, das Zielkonto des Käufers, das Datum, an dem der Verkäufer die Domain aus seiner Liste entfernt hat, und die vereinbarte Aufteilung der Provisionen bis zum Stichtag. Das sind sechs Zeilen. Sie ersparen beiden Seiten die Diskussion, die sonst ziemlich sicher Ende des übernächsten Monats kommt, wenn Amazon die letzte Abrechnung verschickt.